Das Leid der „billigen Welpen“ und ihrer Hundeeltern und Molly’s ganz persönliches Happy End

      Im Spätherbst 2019 durfte ich Molly und ihre Besitzerin im Rahmen eines Fotoshootings kennenlernen und erfahre im Lauf der Zeit mehr über die beiden und vor allem mehr über Mollys traurige, berührende und auch sehr nachdenkliche Geschichte. Ich möchte es vorweg nehmen, es wird ein Happy End geben.

      Und diese Geschichte möchte ich nicht für mich behalten, denn sie geht uns alle etwas an, alle diejenige, die darüber nachdenken sich einen Hund zu kaufen, sich bereits einen Hund gekauft haben oder jemanden kennen, der jemanden kennt, der eben jenes vorhat oder hatte. Irgendwie also jeder von uns, denn Verantwortung gegenüber unserer Umwelt und den Tieren geht auch diejenigen etwas an, die vielleicht keine Tiere haben, aber trotzdem darf man nicht wegsehen. 

      Aber zunächst möchte ich euch Molly vorstellen: 

      Molly ist eine circa 12 Jahre alte Mopsdame, das ist zumindest ihr geschätztes Alter, denn Molly hatte nicht immer soviel Glück wie heute – in ihrem liebevollen zu Hause. 

      Molly kommt aus einer „Legebatterie“ in Tschechien, musste ständig Nachwuchs gebären, denn Möpse sind eine gefragte Rasse, beliebt und verkaufsstark. Wie genau Molly also aufgewachsen ist, weiß auch ihre jetzige Besitzerin nicht so genau, denn sie hat sie von einem Tierschutzverein übernommen und Molly damit ein neues Leben geschenkt, ein Leben unter Artgenossen und vor allem ein artgerechtes Leben, mit Würde und ganz viel Liebe, all das kannte Molly bis dahin so gar nicht. Spielen, schmusen, Gassi gehen – eben all das was ein Hund als Haustier so liebt und gerne macht, kannte Molly nicht. 

      Mit 6 Jahren wurde sie „ausgemustert“, nicht mehr gut genug quasi – die Standards sind andere geworden und Molly konnte und wollte einfach nicht mehr mithalten. 

      Die Rettung für Molly kam quasi in letzter Sekunden, denn „ausgemustert“ in einer Legebatterie, so erzählt mir Heike ihre Besitzerin, bedeutet aussetzen im Wald und verhungern lassen oder “schlachten” und an die Hunde verfüttern. Allein dies schon zu hören war unvorstellbar für mich und darüber nachzudenken hat mir immer wieder einen Krampf im Bauch verursacht, viel zu unvorstellbar, dass solche Zustände immer noch bzw. überhaupt Realität sind. Zum Glück gibt es Vereine wie Retriever in Not, die sich für Hunde wie Molly einsetzen und diese in liebevolle Pflegefamilien vermitteln.

      Das Leid der “billigen Welpen” und ihrer Hundeeltern

      Zusammengepfercht auf engstem Raum, kein Tageslicht, Gestank, Krank und vernachlässigt – so erleben Welpen in sogenannten Vermehrerstationen in Osteuropa ihre ersten Wochen. Hundemütter wie Molly sind dort nur Gebärmaschinen. Die Hündinnen werden hormonell behandelt und gespritzt, um möglichst oft läufig und somit aufnahmefähig zu sein und die Rüden werden gespritzt, um möglichst viele Hündinnen decken zu können.

      Die Welpen werden ihnen dann viel zu früh entrissen und billig verkauft. Nach Deutschland kommen sie meist ungeimpft, ohne oder mit gefälschten Papieren. Dann werden sie über das Internet verschachert – auf Plattformen wie eBay-Kleinanzeigen.

      Opfer sind die Hunde und betrogen werden die Käufer. Denn oft zeigen die Tiere schon nach wenigen Tagen Krankheitszeichen, nicht wenige sterben schon kurz nach dem Verkauf.

      Unglaubliches leisten Hundepflegeeltern wie Heike, die eine solche Fellnase adoptieren. Denn oft sind die Vierbeiner seelisch am Ende, abgemagert wie die kleine Molly, die am Ende nur noch 6 kg gewogen hat und kennen keinerlei sozialisiertes Verhalten. 

      Umso schöner ist es dann zu sehen, dass es auch Geschichten, wie die von Molly gibt – quasi mit einem Happy End, auch wenn der Weg dahin noch immer andauert, aber sie hat das gefunden, was jedem Lebewesen zustehen sollte: Achtung, Liebe und ein gemeinsames Miteinander auf „Augenhöhe“. 

      Mops im Herbstlaub sitzend

      Was kann jeder einzelne von uns tun?

      Weder Polizei noch Politik haben den illegalen Welpenhandel auf der Agenda – Missstände fallen eher zufällig auf, durch Routinekontrollen oder den unermüdlichen Einsatz von Vereinen und Tierschutzorganisationen – eben solchen, die auch Molly ein zweites Leben verschafft haben. Ein Ende dieser Praktiken ist bei Weitem nicht in Sicht, denn wie so oft im Leben gilt: Die Nachfrage bestimmt das Angebot. 

      Solange es Interessenten und Käufer gibt, die für billiges Geld dieses Leid weiter finanzieren, wird es weitergehen. Von daher sollte jeder für sich mit offenen Augen durchs Leben gehen und nicht nur beim Hundekauf verstehen und hinterfragen: wo kommt der neue Mitbewohner her? Kenne ich seine Besitzer, seine Geschichte? Kann ich mir einen Einblick hinter die Kulissen verschaffen, öffnen die Züchter ihre Türen, sind sie auskunftsbereit? Bezahle ich einen fairen, angemessenen Preis, der dem eines Hundewelpen würdig ist und Kosten wie Aufzucht, Tierarzt, Futter und Behausung sicherstellt oder erscheinen mir die Preise zu günstig? 

      Mitleidskäufe beenden das Leid nicht, sie finanzieren es!

      Welpen, die aus Mitleid gekauft werden – weil man „ja nur helfen möchte“, werden nicht diese tierunwürdigen Machenschaften verhindern, vielmehr unterstützen sie die Verursacher, mit neuem Geld, mit noch mehr Umsatz. In diesen Kreisen gibt es kein „morgen“ – dort zählt was heute in die Kasse kommt.  Der Welpenmarkt ist ein riesiger Markt! Unvorstellbare Summen werden mit der Produktion und dem Verkauf von billigen Welpen verdient. Bei einem Auto oder einer großen Anschaffung vergleichen wir, informieren uns, schauen ganz genau hin – dies und noch viel mehr sollte doch erst recht bei einem Lebewesen der Fall sein. 

      Von daher gilt: sich vorab informieren, von Tierschutzvereinen beraten lassen und vielleicht auch einfach über einen Hund/ Tier nachdenken, welches im Tierheim sitzt und auch nach einem liebevollen neuen zu Hause sucht. 

      Müssen es immer die sogenannten Moderassen sein oder kann einen auch die Persönlichkeit und das große Herz überzeugen, wenn es um die Wahl des neuen Mitbewohners geht?

      Du möchtest mehr erfahren zu dem Thema?

      Dann schau einmal hier:

      • Aufklärungsbeiträge der Tierschutzorganisation “Tasso” findest du hier
      • „Die Welpenmafia – Wenn Hunde nur noch Ware sind“ erschienen. Auf 244 Seiten schildert die Tierschutzorganisation Vier Pfoten zusammen mit dem Anwalt Christopher Posch das Leiden der jungen Hunde

      Weitere Fotos und Informationen zu Fotoshootings mit Hund findest du hier: www.ines-arnshoff.de

      Teilen
      Kommentare