Tierfotografin Ines Arnshoff aus Bremen liegt lachend im Sand, die Wange an den Kopf ihres Seelenhunds Winnie gelehnt, einer schwarzen Portugiesischen Wasserhündin.

Seelenhund & Seelenpferd: Manche Seelen tragen Fell

Winnie kam mit zwei Jahren zu mir. Ich hatte Angst vor Hunden. Die Geschichte eines Seelenhunds und warum manche Beziehungen ein ganzes Leben verändern.

Ich wollte keinen Hund.

Nicht „eigentlich nicht“ oder „vielleicht irgendwann“. Ich wollte keinen. Als Kind hat mich ein schwarzer Hund gebissen, und danach habe ich jahrelang einen Bogen um jeden Hund gemacht, der mir auf der Straße begegnet ist. Wer das kennt, weiß: Das ist keine Entscheidung. Der Körper macht das ohne dich.

Der Plan war eine Katze. Mein Mann mag keine Katzen. So sind Pläne.

Und dann stand da eine schwarze Hündin. Aufgedreht, zappelig, keine Sekunde stillstehend und ausgerechnet die Letzte, die noch ein neues Zuhause gesucht hat.  

Portugiesische Wasserhündin. Ich musste die Rasse googeln und dann kamen so Stichworte wie: ach ja, der von Obama. Doodle. Poodle. Einmal durch das Portfolio der Rassen, aber nein, es war wirklich ein Portugiesischer Wasserhund, kein Doodle, kein Poodle-Doodle-Mix, ein Wasserhund, was auch immer der kann. Diese und ähnliche Fragen bekamen wir noch oft gestellt, sehr oft. Und was habe ich gemacht?

Ich habe Ja gesagt. Testweise.

Das ist zwölfeinhalb Jahre her. Sie liegt gerade zwei Meter neben mir und schnarcht.


Zu Hause wurde Winnie ganz sie selbst 

Ich hatte sie bis dahin nur aufgedreht erlebt. Einen kleinen schwarzen Wirbelwind, der keine Sekunde bei sich war. 

Und dann stand sie in unserem Flur. Ging ein paar Runden, schnupperte an allem, legte sich hin. Und war ein völlig anderer Hund. Ruhig. Ganz bei sich.

Ich glaube bis heute, dass vorher der Stress des Unbekannten „aus ihr gesprochen hat“. Kein festes Zuhause, keine verlässliche Antwort auf die Frage, wo gehöre ich eigentlich hin. In dem Moment, in dem sie merkte „hier gehöre ich hin“, wurde es anders. 

Manche Tiere werden erst ruhig, wenn sie wissen, dass sie bleiben dürfen.

Nur der Vollständigkeit halber: Die Frage nach dem Testen hat sich danach nicht mehr gestellt.


Was ist ein Seelenhund?

Ich sag‘s mal so: Man erkennt es, oder man erkennt es nicht.

Für mich ist es das: Winnie ist kein Haustier. Ich habe sie nie so genannt, kein einziges Mal. Sie ist ein Familienmitglied mit denselben Rechten und Bedürfnissen wie alle anderen hier. Ich weiß, wie es ihr geht, bevor sie irgendetwas tut. Ich weiß, was sie braucht, wenn sie unruhig wird. Und sie steht neben mir, ohne dass ich rufe, wenn es mir nicht gut geht. Das ist keine Erziehung. Das ist eine Leitung, die in beide Richtungen funktioniert.


Schwarze Portugiesische Wasserhündin Winnie sitzt im gelben Herbstlaub und schaut direkt nach oben in die Kamera.


Ein Seelentier ist kein Besitz. Es ist ein Gegenüber.

Bei Pferdemenschen nenne ich sie immer Seelenpferd oder Herzenspferd. Ob das genau dasselbe ist, überlasse ich den Pferdemenschen zu beurteilen. Von außen, durch den Sucher meiner Kamera, sieht es sehr danach aus und ich sehe das Gefühl, das ich sonst nur bei Winnie von mir kenne. 


Eine Frau steht Stirn an Stirn mit ihrem Schimmel und schließt die Augen,
Pferdefotografie in Bremen und Niedersachsen von Ines Arnshoff.


Es gibt sogar Forschung dazu. Ein Team um Miho Nagasawa hat 2015 in der Fachzeitschrift Science gezeigt, dass Hund und Mensch beim gegenseitigen Blick beide Oxytocin ausschütten. Dasselbe Hormon, das die Bindung zwischen Eltern und Kind trägt. Bei beiden, gleichzeitig, im selben Moment. Wer also je das Gefühl hatte, dass zwischen ihm und seinem Hund etwas passiert, das mit Futter und Gassirunden nichts zu tun hat: Das ist messbar.


Vierzehneinhalb Jahre, jeden einzelnen Tag

Winnie war bei meiner Hochzeit dabei. Sie hat erlebt, wie unsere Kinder auf die Welt kamen, beide. Sie hat mich durch Zeiten begleitet, in denen ich nicht wusste, wohin, und durch andere, in denen alles leicht war. Sie war jeden einzelnen Tag da.

Wir sind zusammen in den Urlaub gefahren, bis vor drei Jahren. Dann mochte sie das Autofahren nicht mehr, es macht sie nervös, also bleibt sie jetzt öfter zu Hause. Alter verhandelt nicht.

Ich habe mein Leben auf Hund eingestellt, und es hat sich nie nach Verzicht angefühlt. Die Spieldates der Kinder liegen so, dass wir pünktlich zur Gassirunde zurück sind, oder dass jemand da ist, der mit ihr geht. In den Garten geschickt habe ich sie nie. Sie hat dieselben Bedürfnisse wie alle hier, und die werden eingeplant.


ochschwangere Ines Arnshoff steht in der Heide, ihre Hündin Winnie sitzt vor ihr und schaut zu ihr hoch.


Anstrengend ist an ihr nichts. Verfressen ist sie, und seit sie älter wird, klaut sie wie ein Rabe. Man muss inzwischen alles hochstellen. Einmal hat sie das Lebkuchenhaus der Kinder gefressen, komplett, mit Zuckerguss und allem, danach blieb uns nur noch der Gang zum Tierarzt, aber die Erkenntnis, dass Lebkuchenhäuser nicht gesund sind, die blieb trotzdem aus. Sie bekommt viele kleine Mahlzeiten am Tag, weil ihr Magen mittlerweile so empfindlich ist und zu viel Magensäure bildet. Und lass es mich so sagen: vor jeder einzelnen Mahlzeit (und das sind sehr viele) rennt sie durchs Haus, als ginge es um alles.

Heute ist sie vierzehneinhalb. Fast taub oder sagen wir: sie entscheidet situationsgerecht. Die Augen werden trüb, die Arthrose nervt manchmal, aber meistens bin ich verdammt stolz darauf, wie fit sie noch ist. Wir gehen unsere Runden, jeden Tag, ohne Ausnahme. Ein bisschen durchgeknallter ist sie geworden, aber sagt man nicht: im Alter verstärken sich die Charakterzüge der Jugend? Womit wir wieder beim Anfang wären. 

Wenn ich meinen Kopf in ihr Fell kuschle und diesen Geruch rieche, ist das erholsamer als Lavendelöl oder jede Yogastunde dieser Welt. 

Aber vielleicht fragst du dich jetzt: was hat das eigentlich mit der Hundefotografie zu tun?


Der Hund, der mich zur Fotografin gemacht hat

Ich hatte damals schon jahrelang fotografiert, Presse und Veranstaltungen, mit ordentlicher Technik, in allen erdenklichen Situationen. Opernbälle, Fußballspiele, die ganze Palette. Ich dachte, ich kann das.

Dann kam Winnie und unser erster Ausflug ging samt Kamera in die Lüneburger Heide. 

Das traurige Resultat: Auf keinem einzigen Bild war mein Hund ästhetisch zufriedenstellend abgebildet. Sie ist schwarz, sie ist schnell, sie ist wuselig, sie hat sehr viel Fell und sie steht nie still. Ich hatte eine Kamera, Erfahrung und ein Motiv, und trotzdem nichts, was ich jemandem hätte zeigen wollen.

Das hat mich so geärgert, dass ich es wissen wollte. Ich habe Seminare besucht und Workshops, bei den bekanntesten Hundefotografinnen und Hundefotografen in Deutschland und im Ausland. Ich habe mich weitergebildet, mit einem einzigen Ziel: in der Lage zu sein, meinen eigenen Hund zu fotografieren und meinen eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. 

Dann bin ich wieder in die Heide gefahren. Von diesem Tag hängt bis heute ein Bild bei mir. Sie rennt darauf direkt auf die Kamera zu.


Portugiesische Wasserhündin Winnie rennt im vollen Galopp über einen Sandweg in der Lüneburger Heide frontal auf die Kamera zu, Hundefotografie von Ines Arnshoff.


Das war der Anfang von allem.

Die Pointe daran: Winnie ist bis heute der schwierigste Hund, den ich je vor der Kamera hatte. Inzwischen weiß sie genau, was eine Kamera bedeutet, nämlich Leckerchen, und dann macht sie nichts mehr von dem, was sie soll. Man hat ungefähr eine Sekunde. Es glaubt mir bis heute niemand, aber es ist so. Sie ist meine beste Übung und meine größte Inspiration in einem. 

Dafür haut mich seitdem kein Hund mehr aus den Latschen.

Und vielleicht fragst du dich immer noch: und warum jetzt auch noch Pferdefotografie?


Warum ich auch Pferde fotografiere

Ich bin viele Jahre geritten und habe halbe Wochenenden im Stall verbracht. Dieser Geruch. Diese Geräusche. Das Halbdunkel im Winter. Das hat mich geerdet, lange bevor ich wusste, dass ich so etwas brauche. Es war neben dem Hundefell einfach die denkbar beste Entschleunigung. Wie weit mich diese Faszination für Pferde getragen hat, steht in meinem Beitrag über die Wildpferde der Mongolei.

Irgendwann kam mein Rücken dazwischen. Die Schmerzen beim Reiten wurden zu groß, und mein Arzt riet mir eindringlich, es lieber vorsichtig anzugehen. Ungefähr zur selben Zeit kam Winnie, und Winnie fühlt sich neben Pferden nicht wohl. Der Stall war also gleich doppelt aus meinem Alltag verschwunden.


Ruhiger Moment zwischen einer Frau und ihrem Pferd in der Heide, fotografiert von Ines Arnshoff in Schwanwede, RC General Rosenberg, Niedersachsen.


Über die Kamera ist er zurückgekommen. Ich sitze nicht mehr oben, aber ich stehe wieder auf Koppeln, im Raureif, in Rapsfeldern, abends am Zaun, im Stall und habe ihn wieder: diesen unglaublich entspannenden Geruch. Und ich sehe dabei Dinge, die ich vom Sattel aus nie gesehen habe. Vom Rücken eines Pferdes sieht man das eigene Gesicht nun mal nicht, wenn man sich an einen Hals lehnt.


Winnie steckt in allem, was ich heute mache

Winnie hat mich gesünder gemacht, und ich meine das ganz unspektakulär. Ich gehe jeden Tag raus, bei jedem Wetter, in den Wald, an die Deiche, in die Heide. Vorher habe ich das nicht getan. Ich habe über sie wieder gelernt, wie sich Ruhe anfühlt, wenn man neben jemandem herläuft, der nichts von einem will. Ausgeglichener bin ich auch geworden, und das lag nicht am Yoga.

Ohne sie hätte ich mit der Tierfotografie nie angefangen. Das ist keine Geschichte, die ich mir im Nachhinein schön zurechtlege, das ist die Reihenfolge der Ereignisse. Und weil ich selbst erlebt habe, was ein Tier mit einem Leben anstellen kann, muss mir niemand erklären, warum man den Urlaub nach dem Hund plant oder warum man abendliche Verabredungen abkürzt, weil die Fellnase noch Gassi muss. 

Acht Jahre lang hatte ich ein Logo, das ich mir irgendwann mit Hilfe von Etsy selbst schnell zusammengeschoben hatte. Das hat sich schon lange nicht mehr richtig und vor allem nicht nach mir angefühlt. Als ich die Entscheidung getroffen habe, das Branding für meine Tierfotografie neu aufzustellen, wusste ich eins von Anfang an: es gab eine einzige Vorgabe an die zukünftige Brand-Designerin: Winnie muss darin vorkommen.

Die Hundenase in meinem Logo ist ihrer nachempfunden. Der Punkt darauf ist ihr Punkt. Und gleichzeitig das i von Ines. Und jedes Mal, wenn ich dieses Logo und mein Branding jetzt anschaue, hüpft mein Herz, denn ich weiß: Das sind zu 100 % wir. 


Logo von Ines Arnshoff Tierfotografie: eine gezeichnete Hundenase, nachempfunden der Nase ihres Seelenhunds Winnie, mit einem Punkt, der zugleich das i im Namen bildet.


Das ist keine Sentimentalität, das ist eine Ansage. Alles, was du hier siehst, meine Bilder, meine Werte, die Art, wie ich mit euch arbeite, geht auf ein schwarzes Hundemädchen mit einem Punkt auf der Nase zurück. 

Manche Seelen tragen Fell.

Diese Seite hier ist übrigens neu. Sie ist aus genau dieser Haltung entstanden, deshalb sieht sie anders aus als das, was vorher da war. Schau dich um, wenn du magst: das Fotoerlebnis für Hunde, das Fotoerlebnis für Pferde oder vielleicht beides? Auch das hatte ich schon. Seelenhund und Seelenpferd, was kann es Schöneres geben. 


Wenn du das hier nickend liest

Dann kennen wir uns wahrscheinlich schon ein bisschen oder wir wären uns einfach direkt total sympathisch. 

Die meisten Menschen, die zu mir kommen, ticken genauso. Sie planen ihr Leben um ein Tier herum und haben aufgehört, sich dafür zu entschuldigen. Manche sagen im ersten Gespräch trotzdem noch so einen Satz wie „Das klingt jetzt vielleicht albern, aber …“. Und dann kommt etwas, das überhaupt nicht albern ist.


Winnie, eine Portugiesische Wasserhündin mit ergrautem Gesicht, steht ruhig auf einem Felsen zwischen blühendem Heidekraut in Schweden


Bei mir musst du das nicht. Du musst nichts erklären, nichts rechtfertigen, nichts kleinreden. Du musst auch nichts können. Dein Hund muss nicht sitzen bleiben, dein Pferd muss nicht stillstehen, und du musst nicht wissen, wohin mit deinen Händen.

Ihr müsst nur ankommen. Den Rest mache ich.

Genau das habe ich damals in unserem Flur gesehen, als Winnie sich hingelegt hat. Bei Menschen sieht es fast genauso aus. Erst der Blick, ob das hier okay ist. Dann die Schultern. Dann sind sie da.

Juliane zum Beispiel. Herr Olson ist ihr Seelenhund, Pico und Gudrun sind ihre Pferde, und wenn sie von den dreien erzählt, verändert sich ihr Gesicht. Sie erklärt das nicht. Muss sie auch nicht, denn: 
Manche Beziehungen verändern ein ganzes Leben.


Die Zeit ist endlich, und das ist der ganze Punkt

Mit vierzehneinhalb weiß ich, was ich vor zehn Jahren noch verdrängen konnte. Uns läuft die Zeit davon. Das ist kein trauriger Gedanke, sondern ein sehr klarer: Alles, was ich von ihr habe, habe ich, weil ich es gemacht habe.


Ines Arnshoff geht im Herbstwald in die Hocke und legt die Hand auf den Rücken ihrer schwarzen Hündin Winnie.


Ich habe uns auch gemeinsam fotografieren lassen, mit den Kindern und ohne. Diese Bilder hängen bei uns an der Wand, nicht auf einer Festplatte. Ich gehe jeden Tag daran vorbei, meistens ohne hinzusehen. Und an den Tagen, an denen ich hinsehe, bin ich sofort wieder mittendrin.

Eine Festplatte erinnert sich an nichts.

Wenn dein Hund alt wird, habe ich dazu etwas Eigenes geschrieben: einen alten Hund fotografieren.

Ich bin Ines Arnshoff, Tierfotografin in Bremen. Ich fotografiere Hunde, Pferde und die Menschen, die ohne sie andere wären, in Bremen, Niedersachsen und darüber hinaus. 


Erzählen wir die Geschichte von euch beiden?

Erzähl mir von deinem Tier: mit allem, was andere albern finden würden, was dein Herz aber zum Hüpfen und dein Gesicht zum Strahlen bringt. Ich lese das wirklich, und daraus wird euer Fotoerlebnis. Dein Tier ist Anlass genug.

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Häufige Fragen

Was ist ein Seelenhund?

Ein Seelenhund ist ein Hund, zu dem die Bindung über das übliche Verhältnis von Mensch und Tier hinausgeht. Er ist ein vollwertiges Familienmitglied, man spürt, was er braucht, bevor er es zeigt, und er spürt dasselbe umgekehrt. Der Begriff ist kein Fachbegriff, sondern das Wort, das Menschen benutzen, wenn „mein Hund“ nicht ausreicht.

Gibt es auch Seelenpferde?

Ja. In der Pferdewelt heißen sie Seelenpferd oder Herzenspferd. Gemeint ist dasselbe: das eine Tier, bei dem die Verbindung anders ist als bei allen davor.

Woran erkenne ich, dass mein Tier ein Seelentier ist?

Wer sich diese Frage stellt, hat sie meistens schon beantwortet. Praktische Anzeichen: Du liest seine Stimmung, bevor etwas passiert. Es sucht dich von selbst auf, wenn es dir schlecht geht. Und du planst dein Leben um es herum, ohne dass sich das nach Verzicht anfühlt.

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Ein bisschen Fellgefühl im Postfach.

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PS: Kein Dauergebell im Postfach. Versprochen.

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